Donnerstag, 9. Juni 2011

Das Kachelmann-Interview

"Ihr Verteidiger Schwenn hat vor Gericht viel Krach geschlagen."

"Nein, so war das nicht. Er war leise. Er war ganz normal."

"Sie wollen doch nicht im Ernst behaupten, dass sich Ihr Verteidiger, der systematisch Zeuginnen, Staatsanwälte und Gutachter frontal angegriffen hat, normal verhalten hat?"

"Doch. In den Zeitungen stand viel Unsinn. Bild schrieb zum Beispiel: Kachelmanns Verteidiger schlug auf den Richtertisch. Das ist nicht wahr. Er schlug nicht. Er brüllte auch nicht. Die Geschichte vom brüllenden Verteidiger ist eine Erfindung durchgeknallter Medien. Die sagten sich wohl: Hui, der wird ja freigesprochen, jetzt fällt der Spannungsbogen unserer Geschichte aber ab, jetzt nehmen wir den Anwalt und bauschen ihn zum Krawallmacher auf! Und niemand korrigiert das dann, niemand berichtigt die Bild- Zeitung, obwohl alle anderen drinsitzen und auch sehen, dass er weder gebrüllt noch auf den Tisch geklopft hat, sondern jeder Journalist hält diese Falschmeldungen für einen passenden Beleg. Mein Anwalt war nicht laut, er war manchmal für süddeutsche Verhältnisse etwas deutlich, das schon, aber er war leise."

"Was wollen Sie mit Ihrem Leben jetzt anstellen?"

"Ich habe meine Firma. Die gibt es weiterhin. Wir haben große Pläne im In- und Ausland. Und was mich selbst angeht: Ich werde die Behauptung nicht auf mir sitzen lassen, dass ich gewalttätig gewesen sein soll. Es gab keine Gewalt in meinem Leben. Keine Gewalt gegen Erwachsene, keine gegen Kinder, keine Übergriffe, auch keine sogenannten Grenzerkundungen und schon gar keine -überschreitungen. Zivil- und strafrechtlich werde ich versuchen, alle Leute zu belangen, die das behauptet haben. Durch das Internet ist das ja alles gut dokumentiert. Alles, was deutschen, schweizerischen und amerikanischen Anwälten einfällt, möchte ich in die Schlacht werfen."

"Angenommen, Sie könnten die Zeit zurückdrehen und hätten jetzt die Gelegenheit, mit dem Psychiater über sich zu sprechen: Würden Sie es tun?"

"Nein. Warum sollte ich mit einem Gerichtspsychiater sprechen? Ich habe keinen Sprung in der Schüssel. Viel interessanter wäre doch, zu erfahren, was psychologisch in der Frau vorging, die mich einer Tat beschuldigt, die ich nicht begangen habe. Die Nebenklägerin soll ja nach dem Urteil in einem Nebenraum des Gerichts erheblich randaliert haben. Sie soll ins Mobiliar getreten und ihren Anwalt angebrüllt haben: "Sie feige Sau!" Worauf ihr Anwalt nur wenig leiser zurückgab: 'Erzählen Sie keinen Scheiß, Frau D., haben Sie nicht zugehört?'"

"Woher wissen Sie das?"

"Dafür gab es Zeugen."

Handelsblatt - das gesamte Interview
Update: Offenbar wurde der oben aufgeführte Link zum Handelsblatt gecancelt.

Daher hier der Link zu Spiegel Online mit Interview-Auszügen

Unser Bericht am Tag der Urteilsverkündung

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen